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Über das Schreiben I

Warum schreibt man etwas auf?

Möchte man anderen wirklich etwas mitteilen? Geht es nur darum, seine Ansichten zu publizieren? Möchte man seine Gedanken manifestieren oder erwartet man vielmehr Reaktionen auf das Geschriebene - Denkt man "richtig" oder "falsch"? Oder erhofft man einfach nur, beachtet zu werden?

Eine allgemein gültige Antwort wird es und kann es dafür nicht geben. Denn schließlich hat jeder seine eigenen, ganz individuellen Absichten. Und jede Absicht hat auf seine Weise eine Berechtigung; auch wenn einem nicht unbedingt alles gefällt, was geschrieben wird. Doch sollte man auch andere Meinungen tollerieren (,was nicht bedeutet, dass man sich auch akzeptieren muss). "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst" (Voltaire).

Und auch wenn einem vieles missfällt, was geschrieben wird, so wäre es doch trist, nur Dinge zu lesen, die einem gefallen und in seine eigene Weltanschauung passen: Wie grau wäre die Welt?!

Warum schreibe ich? Um nicht zu platzen!

Das hört sich wohl im ersten Moment etwas seltsam an; aber ich versuche, das näher zu erläutern: Alles was ich höre, sehe, erfahre und lese erzeugt eine Vielzahl verschiedenster Gedanken und Überlegungen in mir (wie wahrscheinlich bei vielen anderen auch). Mögen diese Gedanken unwichtig oder essentiell seien spielt ersteinmal keine Rolle (auch wenn philosophische und theologische Überlegungen natürlich mehr "Platz" in den Gedanken einnehmen bzw. einnehmen sollten). Und diese Überlegungen häufen sich mit der Zeit. Mir reicht es aber nicht, es bei diesen Überlegungen zu belassen. Manchmal sind es so viele, dass ich glaube, platzen zu können, da ich nicht mehr Raum für weitere Gedanken habe. Ich muss also diese angehäuften Gedanken be- und verarbeiten. Das Schreiben wirkt bei mir demnach wie ein Ventil. Während des Schreibens schaffe ich nicht nur Ordung in meinen Gedanken, sondern kann entscheiden, welche Überlegungen ich vertiefen und näher behandeln möchte. Und dann können aus bloßen Gedanken (im besten Falle) Ideen enstehen.

1 Kommentar 23.3.08 16:51, kommentieren

"Ich weiß, dass ich nicht weiß"

Ein Satz, der leider von vielen Menschen unbedenklich zitiert wird, um bei anderen den Schein zuwecken, sie seien philosophisch gut bewandert. Doch wird das weder Sokrates, dem Urheber dieses Satzes (bzw. Platon, der diesen Satz in der "Apologie" des Sokrates schrieb), noch der Philosophie selbst gerecht. Denn es genügt nicht, irgendein Satz zu zitieren ohne näher in die Tiefe desselbigen zugehen. Und besonders dann nicht, wenn solch ein Satz die Grundlage für eine Philosophie darstellt.

Dieser Satz ist das Ergebnis folgender Fragestellung: Ist mein "Wissen" wirkliches Wissen oder meine ich nur etwas zu "wissen", was in Wahrheit bloßes Scheinwissen ist? Sokrates selbst kommt zu der Einsicht, dass er nur eines sicher weiß: Und zwar dass er nichts weiß. Alles andere, was er "weiß", kann er nicht beweisen. Deswegen ist das, was er zu wissen glaubte, nur eine eigene, nicht beweisbare und subjektive Sichtweise. Diese Sichtweise muss nicht schlecht oder falsch sein, aber man kann sie nicht als Wissen manifestieren. Und da Sokrates nicht behaupten möchte, etwas zu "wissen", ohne es WIRKLICH zu wissen, kam er zu der Erkenntnis: "Wenn ich eines weiß, dann das, dass ich nichts weiß". Schließlich ist seine höchste Tugend die Wahrheit und die Suche nach derselbigen (ohne sie aber je vollkommen aufdecken zu können, da dafür Wissen notwendig ist; s. sokratische Aporie).

Durch die Erkenntnis des Nichtwissens und den Anspruch auf Wahrheitsfindung hebt sich Sokrates von den Sophisten (den "Weisen") ab. Diese behaupteten, bestimmte Dinge genau zu wissen und lehrten ihre "Weisheiten" (natürlich nur gegen Bezahlung). Doch konnte Sokrates im Dialog mit Sophisten oft ihr Scheinwissen aufdecken (genau wie er sein "Wissen" hinterfragte, hinterfragte er auch das "Wissen" dieser Sophisten).

Und mir scheint, dass wir auch heutzutage sehr viele solcher Sophisten unter uns haben, die nicht selten viele Menschen durch Rhethorik (oder "Schmeichelein" wie es Sokrates ausdrücken würde) von ihrem Scheinwissen zu überzeugen versuchen.

Ich für meinen Teil sehe es ganz sokratisch: Denn auch ich weiß, nicht zu wissen.

1 Kommentar 23.3.08 19:58, kommentieren

Kindisch

"Sei nicht so kindisch!" heißt es oft, wenn man sich nach Meinung anderer nicht entsprechend seinem Alter benimmt; sei es, dass man über "banales" lacht, Sachen anstellt, die verrückt erscheinen oder Ähnliches. Es sei ja unvernünftig, irrrational. In vielen Fällen finde ich das wirklich sehr traurig. Warum darf man nicht "kindisch" sein. Warum soll man nicht etwas von seiner Kindlichkeit behalten?

Man empfindet "kindisches" Verhalten als etwas Schlechtes, Unpassendes. Aber warum? Schadet das Kind in einem wirklich? Ist die pure Vernunft wirklich angebrachter?

Dabei sind doch die wichtigsten Tugenden besonders bei den Kindern ausgeprägt, besonders rein: Wahrheit, Neugier, Furchtlosigkeit! Kinder interessiert nicht das logische, rationale einer Sache, sondern die Schönheit und Besonderheit, die eine Sache ausmachen. Sie sehen die Welt mit anderen Augen. Anderes als "Erwachsene" sehen sie wirklich; sie machen ihre Augen auf und bestaunen alles, als sei alles ein Wunder. Wie wenig interessieren sich "Erwachsene" für die Schönheit einer Blume, das Leuchten eines Sternes oder für Kleinigkeiten, die eine eigene Welt für sich bilden können. Vielleicht mag ein Erwachsener sagen: "Hübsch, aber unwichtig! Arbeit, Vermögen, Sicherheiten, Ruhm etc. sind aber wichtig. Darum muss man sich kümmern!". Aber sind nicht genau das Dinge, die der Natur des Menschen, seinem Geist und seiner Seele widersprechen?! Sind sie es nicht, die ver-rückt handeln, unlogisch, unvernünftig?

Ich meine natürlich nicht, dass wir uns jetzt alle vollkommen wie Kinder benehmen sollen; das wäre weder dienlich noch möglich. Zumindest sollten wir aber einen Teil unser Kindlichkeit erhalten. Damit wir wieder empfindsam für das Schöne werden, für das wirklich Wichtige. Damit wir wieder träumen können und aus unseren Phantasien vielleicht Ideen werden. Damit wir nicht blind für die Wunder unserer Welt sind.

Und wenn mir jemand sagt:"Sei nicht so kindisch!", werde ich ihm mit einem Lächeln widerprechen:"Sei nicht so erwachsen!"

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In diesem Zusammenhang kann ich nur "Der kleine Prinz" von A. Saint-Exupery herzlich empfehlen. Ein Buch, nicht nur für Kinder. Vielleicht sogar hauptsächlich für "Erwachsene"?!

2 Kommentare 26.3.08 22:16, kommentieren