Der Abglanz

Oft schien der Mond und schien die Sonne
So unzertrennlich, gar ewiglich.
Welch inniglich’ Schatten der dämernden Wonne,
Welch Glut, die vor Kälte erstarrte, erblich.

O Luna, wie du schienest gar in nächtigen Träumen,
Gabest uns Licht zu unmöglicher Zeit.
O Helios, der du mit Strahlen willst säumen,
Der dornenden Rose in Ewigkeit.

Wie fühltet ihr einander verbunden,
- Du Licht des Tages, du nächtlicher Schein -
Doch mehrten sich Schmerz und brennende Wunden,
Als erwachet die Wahrheit so bitterlich rein.

Nie konntet ihr euch wahrlich berühren,
Die Ferne lässt erschaudern die Welten,
Die Ängste den einen gar mattend nun schüren.
Wurd’ das Innige ach nur noch so selten.

Der Abglanz der Sonne - das war deine Kraft,
Schienest du, Luna, ihm nie zurück.
Einst ward dies Spektakel so zauberhaft,
Bis erleuchtet durch wahrhaft'gen Blick.

Leuchtest du, Helios, fortwährend weiter,
Doch nicht mit selbiger, inniger Glut,
Erinnerst dich an Zeiten, die damals so heiter,
Nun sich ergießen in mitleidiger Flut.

Nichts war umsonst und nichts war vergebens,
Die Trauer nun weichet, die Einsicht kehrt ein.
Erinnre dich, Helios, Zeit deines Lebens;
Denn wie schön und wie warm war euer Schein’.

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Freunde

Fühlt man sich in tiefer Trauer,
Hilflos, einsam und verloren,
So stehen sie wie eine Mauer,
Die das Leben dir erkoren.

Ruhig hören sie, was dich plagt.
Ist es doch nur Phantasie?
Nein, es sei dir nun gesagt:
Alleine lassen sie dich nie!

Eines sei dir stets bewusst,
Sie geben Halt, sie geben Rat,
Retten dich aus deinem Frust,
Mit jedem Wort, mit jeder Tat.

Untreu einem viele sind,
Doch nicht diese - glaube mir.
Vertrauen kannst du ihnen blind,
Denn sie fühlen stets mit dir.

Nimmer lass' sie aus dem Sinn!
Um sie Sorgen musst du dich!
Mehr als bloß nur ein Gewinn;
Denn Selbstverständlich sind sie nicht.

Durch dein Leben sie dich führen,
Begleiten dich auf jeder Reise,
Sie dein Lebensweg reich küren,
Auf wundervolle Art und Weise.

Engeln gleich - auch ohne Flügel -
Stehen sie dir zum Schutze bei.
Versetzen Berge, senken Hügel,
Damit du lebest sorgenfrei.

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Eos

Dunkel ist’s im Morgengrauen;
Feuchter Nebel steigt empor.
Doch du, o Schönheit aller Frauen,
Bist des Tages helles Tor.

Aus Scham der alten Zeiten,
Errötest du so zart;
Errötest täglich die Weiten,
Den nächtlichen Himmel, der strahlet so hart.

Lampos und Phaeton ziehen den Wagen,
Der dich führet über das Meer,
Schöner, als in tausenden Sagen,
Schimmert dein Antlitz ach gar so sehr.

Gülden strahlet dein safranes Kleid.
Wie kostbare Jade funkelst du rein.
Das Rot deiner Liebe verblasst jedes Leid,
Strahlest du morgendlich wie edelster Wein.

Mond und Sonne sind deine Geschwister,
Erblassen dennoch vor deinem Gemüte.
Träumen von dir gar die kühlen Philister.
O Eos, du morgenrötliche Blüte.

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Laterne, Laterne – Tonne, Hund und ...

Einst lag ein alter Greis’,
Bärtig, wild und alt,
Bei ’ner Tonne still und leis’,
Nahe dem Korinther Wald.

Abgelegen und allein,
Lebte er sein Leben.
„Geld – Nein, das muss nicht sein!“,
Sprach er einst bis zum Erbeben.

Doch ab und an da wagte er,
Sich zu zeigen bei der Masse.
Doch die schien ihm hohl und leer,
Nein – das war nicht seine Klasse.

So predigte der alte Mann
Bedürfnislosigkeit und Buße.
Er versuchte, was er kann,
Doch der Masse fehlt’s an Muße.

Auf normalem Wege ging das nicht.
Provozieren – das muss her!
Die Masse, die braucht nunmehr Licht!
Ja das gefiel ihm gar so sehr.

Also ging er mit der Lunte
- Die Laterne in der Hand -
Holte Feuer an der Zunte,
Und ging durchs Korinther Land.

Am helligten Tage ging er fort,
Durch Korinth, der frev’len Stadt.
Doch verwundert die Korinther dort,
Sie waren baff, sie waren platt.

Und er schrie – als würd’s nicht reichen
„Ich suche Menschen, finde Keinen!“
Er suchte doch nur seinesgleichen.
In Absentia sind die Reinen.

Dumm und töricht, wie sie sind,
Beschimpfen sie ihn, geben Kund:
„Nein, du bist kein Korinther Kind,
Nur ein kläffend’, streunend’ Hund!“

Doch statt Hohn, so war es Lob
- Bissig, Fragend und ganz kynisch,
Er es sich zur Ehre hob:
Kyon; Ach ist das nicht lyrisch?!

Von Zeus geschaffen und gesandt,
Verrückt war dieses Hundeleben.
Als Diogenes ward er bekannt!
So möcht’ ich ihm mein Hymnos geben.